aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Die Amöbenruhr (Amöbiasis) ist eine Infektion des Darmes.
Krankheitserreger
Histologische Aufnahme einer Amöbeninfektion im Darmgewebe.
Sie wird von einer Amöbe (Entamoeba histolytica) (Wechseltierchen) verursacht, die im Nahrungsbrei des menschlichen Darms lebt. Die Krankheitserreger leben im Dickdarm und vermehren sich ungeschlechtlich durch Zellteilung.
Als sehr widerstandsfähige Dauerform kann der Erreger in Form dieser Zyste - unter Umständen jahrelang ohne jegliche Krankheitsanzeichen zu verursachen - im Dickdarm verbleiben und wird auch mit dem Stuhl ausgeschieden (Minutaform). Der Infizierte ist also gleichermaßen Überträger. Die ausgeschiedene Dauerform kann in der Außenwelt monatelang infektiös bleiben. Aus noch unbekannten Gründen können sich diese Erreger verändern, man kann dann eine veränderte DNA und ein verändertes Enzymmuster beobachten. Durch die Ausbildung von zersetzenden Enzymen ist es den Amöben in dieser Form (Magnaform) nun möglich, in die Schleimhaut einzudringen, die geschlüpfte“ Amöbe dringt also in die Darmwand ein und richtet dort schwere Schäden an.
Infektionsursachen
In den Dickdarm gelangen die Erreger in einer Hülle (Zyste) geschützt über verunreinigtes Wasser, den Genuss von ungewaschenem Obst oder Gemüse, Darmsekrete und auch auf dem analen Übertragungsweg.
Krankheitssymptome
Die Amöbenruhr ist eine Infektionskrankheit, die sich durch blutigen und schleimigen Stuhl (Kot), verbunden mit Durchfall, Bauchschmerzen, Fieber und Krämpfen bemerkbar macht.
Eine geschwürige Entzündung des Dickdarms ist für diese Symptome verantwortlich. Wenn es den Amöben schließlich gelingt, die Darmschleimhaut zu durchdringen, gelangen sie ins Blut. Vom Blut werden sie in die Leber und in andere innere Organe, z. B. ins Zentralnervensystem, ins Herz, in die Milz oder die Harnorgane transportiert. Dort können sie durch die Zerstörung des Gewebes Geschwüre, z. B. einen Leberabszess und innere Blutungen hervorrufen. Werden diese Auswirkungen nicht rechtzeitig erkannt, kann die erkrankte Person daran sterben.
Vorkommen der Krankheit
Die Amöbenruhr ist weltweit verbreitet, kommt aber insbesondere in tropischen und subtropischen Gebieten vor, z. B. Indien, Bangladesch, Thailand, Vietnam und Malaysia, aber auch in Namibia, Nordbrasilien, auf Haiti und in Mexiko.
Schutzmaßnahmen
Da die Übertragung insbesondere durch verunreinigte Lebensmittel und unsauberes Trinkwasser erfolgt, kann man sich gegen Ansteckung insbesondere schützen, indem man in gefährdeten Gebieten nur abgekochtes Wasser trinkt und rohe, ungewaschene Speisen (Salate, Melonen, ungeschältes Obst und Gemüse, Eiswürfel und Eis) meidet.
Auch zum Zähneputzen sollten Reisende in tropischen Ländern nur Mineralwasser oder aber Wasser verwenden, das mindestens fünf Minuten abgekocht wurde. Die herkömmliche Trinkwasserentkeimung über Chlorierung reicht nicht aus, um die Amöben abzutöten.
Behandlung
Der Erreger, die Amöbe, kann durch eine mikroskopische Untersuchung des Kotes festgestellt werden.
Durchfälle mit Blut- bzw. Schleimbeimengungen sollten grundsätzlich ärztlich untersucht und diagnostiziert werden, da auch andere ernsthafte Infektionen dafür verantwortlich sein können. Sowohl die Zystenform als auch die Magnaform können im Stuhl nachgewiesen werden, da die Magnaform aber sehr empfindlich ist und schnell zerstört werden kann, muss frischer Stuhl untersucht werden. Die Amöbenruhr wird sehr erfolgreich mit verschiedenen Antibiotika (Metronidazol, Chloroquin, Tetrazykline) behandelt. Bei rechtzeitiger Einnahme heilt die Erkrankung rasch aus. Ist es allerdings schon zu Abszessen in der Leber o. ä. gekommen, müssen über einen längeren Zeitraum Medikamente genommen werden und eventuell ist auch eine Operation erforderlich. Abszesse bzw. Organbefall können durch Sonografie oder Computertomografie nachgewiesen werden.