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Bakterienruhr - Medizin-News-Lexikon

Bakterienruhr

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Klassifikation nach ICD-10
A03.0 Shigellose durch Shigella dysenteriae
A03.1 Shigellose durch Shigella flexneri
A03.2 Shigellose durch Shigella boydii
A03.3 Shigellose durch Shigella sonnei
A03.8 Sonstige Shigellosen
A03.9 Shigellose, nicht näher bezeichnet
ICD-10 online (WHO-Version 2006)

Die Bakterienruhr (syn.: Shigellose, Shigellendysenterie, Shigellenruhr, Bazillenruhr) bezeichnet die von Shigellen, einer Bakteriengattung, ausgelöste Durchfallerkrankung. Die Bakterienruhr ist zu trennen von der Amöbenruhr, ausgelöst durch den Parasiten Entamoeba histolytica. Eine Meldepflicht besteht bei Verdacht, Erkrankung und Tod.

Inhaltsverzeichnis

Symptome und Beschwerden

Die Bakterienruhr hat eine Inkubationszeit von 2-7 Tagen. Die Krankheit beginnt mit kolikartigen Bauchschmerzen und Durchfall. Es kommt zu häufigen Stuhlentleerungen, die schmerzhaft sein können. Nach einigen Tagen tritt in der Regel die Genesung ein, doch es sind Fälle bekannt, wo die Inkubationszeit tödlich endet.

Der große Flüssigkeits- und Elektrolytverlust stellt die größte Gefahr dar, durch den es zu Nierenversagen, Kreislaufkollaps, Krämpfen und Koma kommen kann. Nach Art des Stuhls unterscheidet man die weiße und die rote Ruhr. Bei der weißen Ruhr ist der Stuhl schleimig und hell, bei der roten Ruhr blutig. Als Krankheitsfolge kann es zum Reiter-Syndrom kommen. Nach überstandener Erkrankung scheidet die Person noch ca. vier Wochen Erreger aus.

Ursachen

Die Ursache ist eine Infektion mit folgenden Arten von Bakterien:

Komplikationen

Bei schweren Verläufen kann es zu Komplikationen kommen, wie etwa Darmblutungen, Darmperforationen, Verlust von Wasser und Salzen (Elektrolyte) sowie die reaktive Arthritis.

Verbreitung

Die Bakterienruhr ist eine Erkrankung der Notzeiten, demzufolge tritt sie hauptsächlich bei einer geschwächten Immunabwehr auf. Heutige Fälle in Westeuropa tauchen entsprechend meist in Notquartieren auf. Der Mensch ist Erregerreservoir.

Die Erkrankung tritt typischerweise im Sommer und Frühherbst auf.

Die Infektion erfolgt fäkal-oral, insbesondere über infizierte Nahrungsmittel oder Trinkwasser. Dabei ist eine Infektionsdosis von unter 100 Bakterien ausreichend. Im Gegensatz zu den ähnlichen Salmonellen sind Shigellen säurestabil, werden also im Magen nicht abgetötet.

Vorbeugung und Behandlung

Die grundlegende Vorbeugung sind Hygienemaßnahmen wie etwa Sauberkeit bei der Trinkwasser- und Nahrungszubereitung, regelmäßige Händedesinfektion und Fäkalienbeseitigung.

Die Diagnostik wird anhand der klinischen Symptomatik gestellt. Der Erreger wird durch einen Abstrich aus dem Enddarm nachgewiesen.

Die Therapie besteht aus einer Verbesserung der Immunabwehr des Patienten, Ersatz von Wasser und Elektrolyten sowie Antibiotika wie Chinolone oder Ampicillin intravenös. Da einige Shigellen durch R-Plasmide multiresistent sind, ist eine eventuelle Korrektur der Antibiotika nach Antibiogramm erforderlich. Bei krampfartigen Bauchschmerzen kann die Gabe eines Spasmolytikums wie N-Butylscopolamin sinnvoll sein. Obstipierende Mittel wie Loperamid unterdrücken zwar die Durchfälle, verzögern aber die Ausscheidung der Erreger aus dem Körper, sind deswegen höchstens kurzfristig einzusetzen.

Quellen

  • Herold: Innere Medizin, 2001


Weblinks

Robert-Koch-Institut: Ratgeber Shigellose

Bitte beachten Sie den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

Quellenhinweis: Basis dieses Artikels ist ein Aufsatz aus WIKIPEDIA, der freien Enzyklopaedie. Diesen Artikel sowie Autorenhinweise finden Sie unter folgendem Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Bakterienruhr“

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