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Flatus - Medizin-News-Lexikon

Flatus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

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Flatus (lat. Wind), medizinsprachlich für Darmwind, Blähungen ist die meist methanhaltige Ausdünstung des Magen-Darm-Traktes, der unter anderem durch die Zersetzung organischer Substanzen durch Mikroorganismen (Colibakterien) entsteht. Andere Ursachen können geschluckte Luft, durch chemische Reaktionen verursachte Gase oder durch die Darmwand diffundierte Gase aus dem Blutkreislauf sein. Somit sind alle Gasansammlungen im Darm (vermehrt bei Meteorismus) für die Entstehung eines Flatus verantwortlich.

Ein Mensch entlässt im Durchschnitt 0,5 bis 1,5 Liter Gase in 12 bis 25 Episoden pro Tag. Eigentlich entstehen im Darm bis zu 15 Liter Gase pro Verdauungsvorgang, das meiste diffundiert aber in den Blutkreislauf und wird durch die Lunge ausgeatmet. Männer und Frauen bilden die gleichen Mengen Gas.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale des Flatus

Auch der Flatus besteht wie Luft zum überwiegenden Teil aus Stickstoff. Nahrung, die im Magen mit Salzsäure reagiert, setzt oft Kohlenstoffdioxid frei. Ebenso enthalten Proteine auch schwefelhaltige Aminosäuren, die von Bakterien in Schwefelwasserstoff umgesetzt werden können. Andere Bakterien produzieren Wasserstoff und Methan.

Ablauf

Die Geräusche, die gemeinhin mit dem Flatus in Verbindung gebracht werden, werden von der Vibration der Analöffnung verursacht. Das Geräusch variiert je nach Spannung des Schließmuskels, Geschwindigkeit, mit der das Gas ausgestoßen wird sowie nach dem Volumen der ausgestossenen Gasmenge. Andere Faktoren wie Feuchtigkeit oder Körperfett spielen ebenfalls eine Rolle. Der Abgang des Flatus (auch Abwinde) erfolgt nach kumulierter Gasansammelung am Ende des Mastdarms.

Bakterien

Der Großteil der Abwinde wird durch Bakterien erzeugt:

weitere 500 Arten, darunter:

Bestandteile

Die Bestandteile der Abwinde sind

Bakterien produzieren im menschlichen Darm bis zu 24 Liter Wasserstoff und 6 Liter Methan, von denen jedoch nur ca. ein Liter abgeht. Ein großer Teil der produzierten Gase werden von weiteren Bakterien in nichtflüchtige Substanzen umgewandelt oder über das Blut gelöst und über die Lunge abgeatmet.

Geruchsverursacher

Bakterien im Darm produzieren die übelriechenden Substanzen Indol und Skatol.

Indol

Indol entsteht als Abbauprodukt der Aminosäure Tryptophan und wird in der kosmetischen und pharmazeutischen Industrie verwendet zur Herstellung von Farbstoffen und Arzneimitteln. Stark verdünnt riecht Indol nach Blumen, in größerer Konzentration aber nach Fäkalien.

Skatol (3-Methylindol)

Wie Indol ist Skatol ein Abbauprodukt der Aminosäure Tryptophan und ist Hauptverursacher des Geruchs des menschlichen Kots (Fäzes). Wie Indol riecht Skatol in geringen Konzentrationen angenehm und wird deswegen in Spuren Parfümen beigemengt.

Schwefelwasserstoff

Das Gas Schwefelwasserstoff blockiert im Körper Sauerstoff transportierende Enzyme und ist deswegen stark giftig. Es riecht nach faulen Eiern und kommt nur in mikromolaren Konzentrationen im Flatus vor.

Abwinde verursachende Nahrungsmittel

Ursächlich für den Flatus sind die Zuckermoleküle Rhamnose und Stachyose, die vom Verdauungsapparat des Menschen nicht aufgespalten werden können. Vielen Menschen fehlt durch einen genetischen Unterschied das zum Abbau von Laktose notwendige Enzym. Bakterien vergären diese Stoffe zu den genannten großen Gasmengen. Rhamnose und Stachyose kommen in höheren Konzentrationen in folgenden Nahrungsmitteln vor:

Historisches, Anekdotisches

  • Der römische Kaiser Tiberius Claudius brachte aus Sorge um die Gesundheit ein Gesetz heraus, das Furzen bei Banketten erlaubte.
  • Martin Luther wird das geflügelte Wort zugeschrieben: Warum rülpset und furzet Ihr nicht? Hat es Euch nicht geschmacket?“ (Dies ist umstritten; dieser Ausspruch soll blanke Ironie gegenüber damaligen Kirchenoberen sein, was durch den angeblichen Zusatz ... und warum onanieret ihr unter dem Tische und vergewaltigt nicht die Damen bei Hofe, wie es euch sonst genehm ist?“ eine gewisse Stütze findet.)
  • Edward de Vere, 17. Earl von Oxford, furzte, während er Elisabeth I. von England die Treue schwor. Er ging dafür konsequenterweise für sieben Jahre ins selbstauferlegte Exil. Es wird berichtet, dass die nicht humorlose Königin ihm nach seiner Rückkehr versicherte: Mein Lord, ich habe Euren Furz nicht vergessen!“
  • Einige Menschen haben die Fähigkeit, durch gezieltes Spannen des Darmschließmuskels die Tonhöhe der Abwinde zu modulieren. Der bekannteste dieser Kunstfurzer“, die normalerweise auf Jahrmärkten und Rummelplätzen auftraten, war der Franzose Joseph Pujol, der unter dem Künstlernamen Le Pétomane (von franz. le pet der Furz“) auch im Pariser Moulin Rouge in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts auftrat. Allerdings soll Pujol die Fähigkeit gehabt haben, auch über den Anus Luft einzusaugen und somit geruchsfrei Geräusche produzieren zu können. Sein Repertoire umfasste die Imitation von Gewittern, von Kanonenschlägen bis hin zur Intonation von Melodien. Ein unter dem Künstlernamen Mr. Methane auftretender Brite reist mit einer ähnlichen Nummer durch Fernsehshows rund um den Globus.
  • Goethe erzählte seinem Vertrauten Eckermann: Ein abscheulicher Herr gibt in bester Gesellschaft und in Anwesenheit von Damen unanständige Dinge von sich. Â»Mit Worten war gegen ihn nichts auszurichten.« Doch da begeht ein stattlicher Herr sehr laut eine große Unanständigkeit. Der Schwadroneur ist dermaßen eingeschüchtert, dass er endlich den Mund hält. Â»Das Gespräch nahm von diesem Augenblick an eine anmutige heitere Wendung.«

Siehe auch

Weblinks

Quellenhinweis: Basis dieses Artikels ist ein Aufsatz aus WIKIPEDIA, der freien Enzyklopaedie. Diesen Artikel sowie Autorenhinweise finden Sie unter folgendem Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Flatus“

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