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Hantaviren - Medizin-News-Lexikon

Hantaviren

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Gattung Hantavirus
Sin Nombre virus
Sin Nombre virus
Systematik
Reich: Viren
Ordnung: nicht klassifiziert
Familie: Bunyaviridae
Taxonomische Merkmale
Genom: (-)ssRNA segmentiert
Baltimore: Gruppe 5
Symmetrie: helikal
Hülle: vorhanden

Die Gattung Hantavirus aus der Familie der Bunyaviridae umfasst u.a. die humanpathogenen Arten Hantaan-Virus, Puumala-Virus, Dobrava-Belgrad-Virus, Seoul-Virus, Korea-Fieber-Virus, Sin-Nombre-Virus. Diese behüllte Einzel(−)-Strang-RNA-Viren [ss(−)RNA] verursachen Lungenerkrankungen, akutes Nierenversagen (Nephrotisches Syndrom) oder schwere hämorrhagische Fiebererkrankungen insbesondere im südasiatischen Raum. Hanta-Viren sind weltweit verbreitet. In Mitteleuropa sind beispielsweise einige Regionen in Niedersachsen, Hessen, Bayern und Baden-Württemberg als Endemiegebiete für das Puumala-Virus bekannt, durch die es besonders im Frühjahr zu Erkrankungen mit plötzlichem Nierenversagen kommen kann.

Der Name Hanta geht auf einen Fluss in Korea zurück, an dem in den 1950er-Jahren während des Koreakrieges Tausende UNO-Soldaten an einer Infektion mit Hantaviren (Typ Hantaan) erkrankten.

Inhaltsverzeichnis

Übertragung

Die Übertragung geschieht durch verschiedene Nager, die mit dem Speichel, den Fäkalien und dem Urin (Virurie) große Mengen an Erregern ausscheiden. Bei den Nagern sind vor allem Mäuse, in Deutschland besonders die Rötelmaus als Überträger festgestellt, die jedoch selbst nicht erkranken. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt sowohl durch Kontaktinfektion als auch durch orale, überwiegend jedoch durch respiratorische Aufnahme der Erreger, seltener durch Nagetierbisse.[1] Eine mögliche Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist nur in einem einzigen Fall in Südamerika beschrieben worden.[2]

Inkubationszeit

Die Inkubationszeit beträgt 12 bis 21 Tage.

Symptomatik

Es kommt zu Fieber, Petechien, geringen Blutungen und Proteinurie; diese Symptome heilen ohne Folgen aus.

Bei bis zu einem Drittel der Erkrankten ergibt sich ein schwererer Verlauf: Nach einer Fieberphase von 3 bis 7 Tagen mit Hinterkopfschmerzen (retroorbitalen Schmerzen), Myalgien, Blutungen der Augenbindehaut (konjunktivalen Blutungen), Hautblutungen (Petechien) und Blutungen der Schleimhäute kommt es vorübergehend zu Hypotonie, Tachykardie und evtl. Bewusstseinsstörungen. Eine akute tubuläre und interstitielle Nephritis kann dann zunächst zu Oligurie mit Hypertonie führen oder zum Ausfall einer oder beider Nieren. Begleitend treten Erbrechen, gastrointestinale (den Magen-Darm-Trakt betreffende) und zerebrale (das Gehirn betreffende) Blutungen, Hämaturie, selten Lungenödeme auf. Das Schicksal des Patienten entscheidet sich in dieser Phase. Anschließend (5. Krankheitswoche) kommt es zu einer Phase mit verstärkter Urinausscheidung (Diurese) mit einer Ausscheidung von 3 bis 6 l/Tag. Die Erkrankung durch das Hantavirus muss im Krankenhaus behandelt werden, andernfalls führt die Erkrankung zum Tod. Eine Anämie kann Monate fortdauern. Der Nachweis von Hantaviren ist meldepflichtig.

Die europäische mildere Form wird als Nephropathia epidemica bezeichnet. Dabei treten selten Blutungen auf. Akute Glaukomanfälle, eine Beteiligung des Zentralen Nervensystems (ZNS), Myokarditiden und intestinale (den Darm betreffende) Blutungen können als Komplikationen auftreten.

Diagnose

Die Erregerisolation ist im Tierversuch und in Zellkulturen zu Krankheitsbeginn möglich. Der serologische Nachweis wird im Immunfluoreszenztest und ELISA erbracht. IgM-Antikörper sind nur einige Wochen nachweisbar, wohingegen die 14 Tage nach Krankheitsbeginn auftretenden IgG-Antikörper jahrelang bestehen bleiben.

Prophylaxe

Eine Impfung gegen Hantaviren befindet sich erst im Entwicklungsstadium. [3], [4], [5], [6], [7]. Eine andere Möglichkeit, die Infektion mit Hantaviren zu verhüten, ist, Nagetiere im Umfeld von menschlichen Siedlungen zu bekämpfen.

Vorkommen

In Deutschland gab es im Oktober 2004 in Dormagen einige Infektionen mit dem Puumala-Virus. Nach Information des Gesundheitsdienstes für Stadt und Landkreis Osnabrück erkranken dort jährlich etwa 20-30 Personen an dem Virus, Tendenz steigend. So wurden bis Mai sechs Fälle in Bissendorf und zwei in Osnabrück-Stadt gemeldet.

Weiterhin erkrankte im November 2004 eine Frau in Würzburg. In den Jahren vorher traten dort einige weitere Infektionen auf.

Anfang 2005 gab es ca. 20 Fälle in Köln.

Im Mai 2005 gab es einen Fall im Raum Braunschweig, im Juni 2005 erneut mehrere Erkrankte in Dormagen.

Seit Mai 2001 gibt es in Aachen regelmäßig im Frühjahr einige Fälle des Virus.

In Luxemburg sind zwischen März 2005 und Juli 2005 bereits elf Menschen angesteckt worden.

Systematik

Quellen

  1. ↑ http://www.rki.de/cln_028/nn_226734/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2006/40__06,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/40_06
  2. ↑ P.Padula et al.: [Epidemic outbreak of Hantavirus pulmonary syndrome in Argentina. Molecular evidence of person to person transmission of Andes virus.] Medicina (B Aires). (2004) 58 Suppl 1:27-36
  3. ↑ http://ec.europa.eu/research/rtdinfo/46/02/article_2947_de.html
  4. ↑ http://www.pubmedcentral.nih.gov/articlerender.fcgi?artid=224585
  5. ↑ http://www.springerlink.com/content/8yl0yruwvyljpaqq
  6. ↑ http://www.usamriid.army.mil/press%20releases/hooper_press_release.pdf
  7. ↑ http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?cmd=Retrieve&db=PubMed&list_uids=11709294&dopt=Abstract

Weblinks

Quellenhinweis: Basis dieses Artikels ist ein Aufsatz aus WIKIPEDIA, der freien Enzyklopaedie. Diesen Artikel sowie Autorenhinweise finden Sie unter folgendem Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Hantaviren“

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