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Klassifikation
Hartnup-Krankheit |
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| Tryptophan |
Die Hartnup-Krankheit (Hartnup-Syndrom) ist eine angeborene Störung des Transportes von Aminosäuren durch die Körperzellen.
Epidemiologie
Die Krankheit wird autosomal-rezessiv vererbt. Erstmanifestation ist im Kindesalter (zwischen 3 und 9 Jahren). Sie ist selten und tritt mit einer Prävalenz von lediglich 1:24.000 auf. Bei weiten nicht alle Träger des entsprechenden Gendefekts entwickeln diese Krankheit. Daher muss davon ausgegangen werden, dass wohl einige, bis heute noch unbekannte Kofaktoren, bei der Entstehung dieses Syndroms eine wichtige Rolle spielen.
Pathogenese
Es handelt sich um eine Störung des Transportes von Aminosäuren durch die Membranen der Körperzellen. Dafür verantwortlich ist der Mangel eines bestimmten kanalartigen Membranproteins (neutraler Aminosäuretransporter), welches für die Durchschleusung von aromatischen und neutralen Aminosäuren durch die Zellen zuständig ist. Der Defekt ist allgegenwärtig (ubiquitär), tritt aber in Geweben die verstärkt für die Resorption (Aufnahme) von Aminosäuren konzipiert sind, deutlicher in Erscheinung. Die Störung betrifft hauptsächlich den oberen Dünndarmabschnitt (Jejunum) und die Niere (proximaler Tubulus).
Durch das Unvermögen der Niere bestimmte Aminosäuren im Blut zu halten (verminderte Rückresorption), sammeln sich diese im Harn, und gehen den Körper folglich verloren. Im Urin finden sich Alanin, Serin, Threonin, Valin, Leucin, Isoleucin, Phenylalanin, Tyrosin, Tryptophan, Glutaminsäure, Asparagin und Histidin. Im selben Ausmaß, in dem der Verlust dieser Aminosäuren über den Harn geschieht, findet sich eine Resorptionsstörung der selben Substanzen im Dünndarm. Ein Mangel dieser Stoffe im Körper ist die logische Konsequenz.
Nun besitzt der menschliche Körper die Möglichkeit die fehlenden Substanzen weitgehend selbst herzustellen, und kann damit das Defizit auch weitgehend kompensieren. Als problematisch erweist sich jedoch der Mangel an Tryptophan. Dies ist eine essentielle Aminosäure. Das bedeutet, dass es für dieses Molekül keine Möglichkeit zur Synthese im menschlichen Stoffwechsel (Intermediärmetabolismus) gibt. Diese Substanz muss unbedingt von Außen zugeführt werden.
Für die Symptome der Hartnup-Krankheit ist weniger der Mangel an Tryptophan selbst, sondern eher das Fehlen an dessen Folgeprodukte Niacin und Nicotinamid verantwortlich. Nicht resorbiertes Tryptophan wird im Darm durch Bakterien zu diversen Indolverbindungen metabolisiert. Diese werden im Gegensatz zum Tryptophan sehr wohl vom Darm resorbiert. Außerdem können sie die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Viele zentralnervöse Symptome werden darauf zurückgeführt.
Symptomatik
Das Krankheitsbild gleicht im wesentlichen dem der Pellagra (Niacinmangel). Auslösende Faktoren für einen Krankheitsschub sind Fieber, starke Sonnenexposition, Stress und bestimmte Medikamente (Sulfonamide).
- Haut: Kennzeichnend für dieses Syndrom sind Hautläsionen in Form von erythematösen Ekzemen.
- Darm: Es kommt zu wiederkehrenden Durchfällen (Diarrhö).
- ZNS: Intermittierend finden sich neurologische oder psychiatrische Symptome. Es kann zu Störung der Bewegungskoordination (Ataxie), Lähmungen (Paresen) oder Stimmungschwankungen kommen. Selten werden auch demenzähnliche Zustände, Schielen (Strabismus) und Krämpfanfälle (Konvulsionen) beschrieben.
Diagnose
Jeder Patient, der an pellagraartigen Symptomen erkrankt und nicht der für diese Krankheit typische ernährungsbedingte Niacinmangel nachvollziehbar ist, sollte auf das Vorhandensein des Gendefekts für die Hartnup-Krankheit untersucht werden.
Die Diagnose der Hartnup-Krankheit kann mittels Urinanalyse durchgeführt werden. Man findet eine neutrale Aminoazidurie (Vorhandensein von Aminosäuren im Harn). Dies ist gleichzeitig der Ausschluss der Differentialdiagnose (Pellagra), da sich bei dieser keine Aminoazidurie findet.
Therapie
Die Behandlung besteht in der Verabreichung der fehlenden Substanzen (Substituionstherapie). Eine tägliche Supplementierung von 50 bis 250 mg Nicotinamid verbessert die Situation bedeutend.
Außerdem empfliehlt sich eine proteinreiche Diät mit hohem Tryptophananteil. Dieser findet sich hauptsächlich in Milch und Milchprodukten. Ferner findet sich Tryptophan in Geflügel, Rindfleisch, Nüssen und Kartoffeln.
Historisches
Diese Krankheit wurde erstmals bei Kindern der Familie Hartnup 1956 in London beobachtet. Angeblich litt auch die julisch-claudische Imperatorenfamilie von Julius Caesar bis hin zu Kaiser Nero an dieser Krankheit.
Siehe auch
Cystinurie
Literatur
Harrison’s Principles of Internal Medicine 16th Edition Volume II ISBN 0-07-139142-8