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Mediastinitis - Medizin-News-Lexikon

Mediastinitis

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Klassifikation nach ICD-10
J98.5 Mediastinitis
ICD-10 online (WHO-Version 2006)

Unter der Mediastinitis versteht man eine Entzündung des Mittelfells (Mediastinum). Es handelt sich um eine schwerwiegende Erkrankung, die mit einer hohen Letalität einhergeht. Zu differenzieren ist zwischen der akuten und der chronischen Form.

Inhaltsverzeichnis

Akute Mediastinitis

Ätiologie

Unter einer akuten Mediastinitis versteht man eine, gewöhnlich bakteriell bedingte, die Strukturen des Mittelfells eitrig (purulent) einschmelzende Entzündung. Sie kann fortgeleitet, aus sich absenkenden Entzündungsprozessen im Kopf-Halsbereich entstehen. Ursache kann beispielsweise ein entzündeter Zahn, ein Nebenhöhlen- oder Retropharyngealabszess sein. Die Ausbreitung eines Entzündungsprozesses vom Nasopharynxbereich in das Mediastinum, wird durch bestimmte anatomische Gegebenheiten erleichtert. Bakterielle Erkrankungen, können sich, entlang der sich vom Halsbereich senkrecht ins Mediastinum absenkenden Faszien, bis dorthin ausbreiten und schwerwiegende Entzündungsprozesse bedingen.

Die Mediastinitis kann auch das Resultat einer direkten Ausbreitung einer Infektion im Brustkorb (Intrathorkalraum) sein. Lungenfell (Pleura), Lunge, Herzbeutel (Perikard), Lymphknoten, der Wirbelsäule benachbarte Abszesse und Knochenentzündungen (Osteomyelitis) des Brustbeins (Sternums) oder eines Wirbelkörpers, können als Streuherde für eine Mittelfellentzündung dienen.

Wesentlich häufiger ist die akute Mediastinitis jedoch das Resultat eines Lecks in der Speiseröhre (Ösophagusperforation). Der Ausgangspunkt der Entzündung liegt hierbei meist im mittleren oder unteren Drittel des Speiseröhre. Gründe für eine Ösophagusperforation sind das Verschlucken (Ingestation) ätzender Substanzen, iatrogene (ärztlich verursachte) Beschädigung der Speiseröhre (Gastroskopie, Intubation) oder das Boerhaave-Syndrom.

Auch ein ulzerierendes Geschwür in der Speiseröhre kann über eine Fistel die Verschleppung von Krankheitskeimen ins Mediastimum vermitteln.

Eine weiterere Ursache für eine Mittelfellentzündung sind operative Eingriffe am offenen Herzen. In schätzungsweise 0,4 bis 5 % der Fälle entwickelt nach einer medianen Sternotomie (Brustbeineröffnung) eine akute Mediastinitis.

Selten ist die Mediastinitis Folge eines Perforationsprozesses in der Luftröhre (Trachea) oder den Bronchien.

Symptomatik

Patienten die eine Ösophagusperforation erleiden, sind in der Regel akut symptomatisch. Dies äußert sich primär durch starken Thoraxschmerz und Atemnot (Dyspnoe).

Eine Beschädigung der Luftwege, wie sie z. B. bei Bronchoskopien, Dezelerationstraumen (im Rahmen von Verkehrsunfällen) oder Tumordurchbrüchen vorkommen kann, geht ebenfalls mit akuter Symptomatik einher. Eine akute Beeinträchtigung der Atmung und ein Mediastinalemphysem gehen der entzündlichen Problematik voraus. Parallele Pleuraergüsse, zeigen eine zusätzliche Verletzung des mediastinalen Lungenfells an.

Subtiler ist der Befund einer entstehenden Mediastinitis bei vorausgegangener Herzoperation. Der Untersuchungsbefund ist initial meist diskret. Zentrales Symptom ist ein retrosternaler (hinter dem Brustbein gelegener) Schmerz, lokale Rötung der Operationswunde und allgemeine Zeichen eines Infektionsgeschehens (Fieber, Müdigkeit, Schwäche).

Unabhängig von der Ursache kann die Erkrankung sehr schnell einen septischen Verlauf annehmen, und entsprechende Beschwerden verursachen.

Diagnose

Ein Mittel zur Diagnose ist das Thoraxröntgen. Man findet ein verbreitertes Mittelfell und eventuell Anzeichen eines Emphysems. Ein Hautemphysem kann manchmal über der Drosselgrube (Jugulum) tastbar sein. Sicherste und im Ernstfall wohl erste Nachweismethode der Mediastinitis ist die Computertomographie. Besteht der Verdacht einer Ösophagusperforation kann ein Gastrographinschluck (Schluck von röntgendichten Kontrastmittel) einerseits dies beweisen, andererseits auch den genauen Punkt der Läsion aufzeigen.

Therapie

Unabhängig von Ätiologie (Ursprung), sollte jede akute Mediastinitis nach Außen drainiert werden. Ein transjugulärer Querschnitt am Hals kann zur Drainage des entzündlichen Gewebes im Mediastinum anterior (vor dem Herz gelegene Strukturen) angewandt werden. Entzündungsprozesse im Mediastinum posterior (hinter dem Herz liegende Strukturen) werden mittels Thorakotomie (Brustkorberöffnung) angegangen. Nach Eröffnung des Thoraxraumes kann auch der hintere Mediastinalraum eröffnet werden, und eine Drainage nach Außen gelegt werden.

Es folgt eine mehrtätige Spülung des betroffenen Areals. Selbstverständlich ist eine umgehende Beseitigung der Entzündungsursache erforderlich. Eine Ösophagusläsion bedarf einer chirurgischen Übernähung oder einer plastischen Ausbesserung. Anschließend ist eine Behandlung mit Antibiotika (verwendbar sind staphylokokkenwirksame Antibiotika) und eine langdauernde intensivmedizinische Betreuung erforderlich.

Bei einer nekrotisierenden Mediastinitis, wie sie bei absteigenden (deszendierenden) Infektionen auftritt (Descending necrotising mediastinits), ist eine sorgfältige Nekrosektomie (Entfernung toten Gewebes) erforderlich. Des Weiteren bedarf es unbedingt der Inspektion sämtlicher Faszienlogen des Halses und eines sorgfältigen Debridements. Diese besonders gefährliche Form der Mittelfellentzündung ist glücklicherweise sehr selten.

Prognose

Das zentrale Problem aller infektiösen Mediastinitiden ist die große Gefahr der Entwicklung einer lebensgefährlichen Sepsis. Die Letalität der Mittelfellentzündung beträgt, auch bei optimaler medizinischer Versorgung 20–40 %.

Chronische Mediastinitis

Ätiologie

Die chronische Mediastinitis muss klar von der akuten Form abgegrenzt werden. Sowohl Ursache und Symptomatik, als auch Therapie sind gänzlich verschieden. Oftmals findet man Pilze als Verursacher chronischer Mittelfellentzündungen. Ein geschwächtes Immunsystem spielt dabei eine wichtige Rolle. Bekannte Erreger sind Histoplasma capsulatum, Aspergillus flavus oder Cryptococcus neoformans. Die Absiedelung der Erreger ins Mediastinum erfolgt meist über den Blutstrom (hämatogene Dissemination). Chronische Mediastinitiden findet man häufiger auch im Anschluss an eine Strahlentherapie oder im Rahmen einer Tuberkulose bzw. des Morbus Boeck. Ferner können lymphoproliferative (Lymphome) oder immunologische Prozesse (Kollagenosen) eine chronische Mediastinitis verursachen. Die chronische Mediastinitis kann granulomatös (Tuberkulose, Sarkoidose) oder als diffus fibrosierende Form auftreten.

Symptomatik

Der chronische Entzündungprozess mündet in einer Fibrosierung des Mediastinums (Mediastinalfibrose). Die dadurch ausgelösten Traktionskräfte auf die umgebenden Organe, führen zu den typischen Beschwerden. Eine Kompression der Luftröhre führt zu Dyspnoe. Kompressionen der oberen Hohlvene oder den Lungenvenen können eine Obere Einflussstauung bzw. ein Lungenödem bedingen. Zugkräfte an den Nerven können in die Parese des Nervus phrenicus (Phrenicusparese) oder des Nervus laryngeus recurrens (Recurrensparese) münden.

Therapie

Problematisch ist die meist diffuse entzündliche Durchsetzung des gesamten Mittelfells. Ein chirurgischer Zugang ist somit nur sehr beschränkt möglich. Die Therapie besteht in der Gabe von Kortikoiden. Durch die katabole Wirkung der Kortikoide soll der Fibrosierungsprozess gedrosselt werden. Etwaige Pilzinfektionen werden mit Antimykotika behandelt. Eine tuberkulös bedingte Mediastinitis kann medikamentös mit Tuberkulostatika angegangen werden. Generell sind die therapeutischen Optionen bei chronischer Mediastinitis jedoch unbefriedigend.

Literatur

Bitte beachten Sie den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

Quellenhinweis: Basis dieses Artikels ist ein Aufsatz aus WIKIPEDIA, der freien Enzyklopaedie. Diesen Artikel sowie Autorenhinweise finden Sie unter folgendem Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Mediastinitis“

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