aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Das Organische Psychosyndrom (OPS) (auch Hirnorganisches Psychosyndrom - HOPS) bezeichnet eine psychische Veränderung des Menschen als Folge einer organischen Erkrankung des Gehirns oder des Körpers. Damit wird die Abgrenzung gegen die "endogenen Psychosen" (Schizophrenie und Depression/Manie) sowie gegen psychotische Störungen als Reaktion auf äußere Umstände ("exogene Ursache") gezogen. Als typisch gilt die begleitende Bewußtseinsstörung (Vigilanz oder Orientiertheit), die nicht bei endogenen oder reaktiven Ursachen auftritt. Es ist zwischen akutem und chronischem OPS zu unterscheiden.
Der Begriff des HOPS ist genau genommen eine Tautologie, da eine psychische Veränderung ausschließlich im Hirn lokalisiert sein kann. Organisches Psychosyndrom ist daher ausreichend.
Akute organische Psychosyndrome
In Anlehnung an die von Karl Bonhoeffer 1917 postulierten "Exogenen Reaktionstypen" werden die folgenden akuten organischen Psychosyndrome unterschieden:
- Unruhe, Erregung, Sinnestäuschung, Herzrasen, Schwitzen
- Gedächtnisstörung, besonders Neugedächtnisstörung
- Schläfrigkeit und Denkstörung, oft Gedächtnisstörung
- isolierte Bewußtseinstrübung
- Schläfrigkeit bis Koma
- Orientierungsstörung, Denkstörung
- Antriebsstörung (fehlende Willküraktivität trotz Wachheit)
- Stimmungsänderung, meist gereizt, depressiv oder aggressiv, aber auch manisch usw.
- im Vordergrund stehende Sinnestäuschungen
Die akuten OPS gelten als rückbildungsfähig, können aber in Abhängigkeit von der Ursache auch in eine chronische Form übergehen.
Chronische organische Psychosyndrome
Chronische organische Psychosyndrome können wiederum in Abhängigkeit von der Ursache stabil oder progredient sein. Es werden folgende Formen unterschieden:
- meist reizbar oder apathisch, aber auch euphorisch und kritiklos
- Abnahme der intellektuellen Leistung durch meist Denk- und Gedächtnisstörungen
- Antriebs- und Konzentrationsstörung, weniger Denk- oder Gedächtnisstörungen beeinträchtigen die psychischen Leistungen
- hirnlokale Psychosyndrome
- z.B. Frontalhirnsyndrome, Korsakow-Syndrom, Klüver-Bucy-Syndrom
- Apallisches Syndrom, Akinetischer Mutismus, Hypersomnie-Syndrom
Ursachen
- * Demenzen, andere neurodegenerative Erkrankungen (z.B. atypische Parkinson-Syndrome)
- * Hirntumoren
- * Encephalitis
- * Schädel-Hirn-Trauma
- * Epilepsie
- * Intoxikation
- * Stoffwechselstörung (Diabetes, Urämie, Leberversagen)
- * Sauerstoffmangel (Hypoxie)
Behandlung
Beim akuten OPS steht die Behandlung der Ursache an erster Stelle. Dies ist für die Prognose absolut entscheidend.
Beim neu aufgetretenen chronischen OPS sollte zunächst eine Rehabilitation bedacht werden. Ansonsten bleibt nur die Behandlung belastender Symptome, z.B. einer Depression, von Halluzinationen oder Unruhezuständen.
Prognose
Die weitere Entwicklung ist von der Ursache abhängig. Je schneller die Ursache der Schädigung behoben wird, desto besser ist die Chance auf Erholung. Besonders anschaulich ist dies am Beispiel des Sauerstoffmangels nachzuvollziehen. Akut kommt es rasch zur Bewußtlosigkeit, bleibende Schäden sind bereits nach einigen Minuten wahrscheinlich.