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Reaktive Arthritis - Medizin-News-Lexikon

Reaktive Arthritis

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Klassifikation nach ICD-10
M02 Reaktive Arthritiden
M02.3 Reiter-Krankheit
ICD-10 online (WHO-Version 2006)

Morbus Reiter oder Reiter-Krankheit ist eine reaktive entzündliche Systemerkrankung. Hierbei handelt es sich um eine seronegative Spondylarthropathie (Gelenkserkrankung), die besonders bei HLA-B27 positiven Personen durch eine Darm- oder Harnwegserkrankung mit Bakterien (meistens Chlamydien) ausgelöst wird und die sich als Arthritis, Bindehautentzündung des Auges, Urethritis und teils mit typischen Hautveränderungen äußern kann.

Andere Bezeichnungen lauten deshalb Reiter-Syndrom, Urethro-okulo-synoviales Syndrom, Arthritis dysenterica, postenteritisch reaktive Arthritis, Sexually acquired reactive arthritis (SARA) oder undifferenzierte Oligoarthritis.

Als Morbus Reiter wurde sie nach dem Berliner Arzt Hans Reiter (1881-1969) benannt, der die Krankheit 1916 erstmals beschrieb. Reiter machte im Dritten Reich unter Hitler Karriere und war am Tod von mehr als 250 KZ-Insassen schuldig, die zwangsweise an Experimenten von Reiter beziehungsweise seinen Untergebenen teilnahmen. 1977 starteten einige Ärzte daher eine Kampagne, den Begriff "Reiter-Syndrom" zu eliminieren und durch die Bezeichnung Reaktive Arthritis zu ersetzen.

In der aktuellen (2006) internationalen Klassifizierung von Krankheiten (ICD) wird unter dem Oberbegriff Reaktive Arthritis (M02) allerdings die Reiter-Krankheit (M02.3) weiterhin unter diesem Namen aufgeführt.

Die Erkrankung ist ein Hauptvertreter der postinfektiösen Gelenkserkrankungen. Dabei können in dem betroffenen Gelenk/den betroffenen Gelenken selbst keine Keime, wohl aber entsprechende Antigene oder deren DNA nachgewiesen werden. Ein Nachweis von bakterieller RNA spricht allerdings für das Vorhandensein zumindest einzelner lebender Organismen.

Die Erkrankung gehört zur Gruppe der Autoimmunerkrankungen, die nach einer Infektion ausgelöst werden können. Dabei wird eine Reaktion des Immunsystems hervorgerufen, die sich gegen den eigenen Körper richtet. Derzeit ist noch nicht geklärt, weshalb diese Reaktion ausgelöst wird.

Bei 70-80 % der erkrankten Personen, wird das HLA-B27-Zellenmerkmal (HLA-Klasse I) im Blut nachgewiesen. Dieses Merkmal besagt indes nicht zwangsläufig, dass die entsprechende Person an einer Autoimmun-Krankheit leiden muss bzw. später leiden wird: Das relative Risiko liegt bei rund 40%. Es wurde sogar nachgewiesen, dass dieser Personenkreis gegenüber bestimmten Grippe-Viren resistenter ist.

Inhaltsverzeichnis

Epidemiologie

Hauptsächlich betroffen sind junge weiße Männer (Geschlechterverhältnis 20:1) mit einem Altersgipfel von 20 bis 30 (bis 45) Jahren, bei denen es sich gleichzeitig um die häufigste Ursache einer Arthritis handelt. Die Inzidenz dieser weltweit auftretenden Erkrankung liegt bei 3,5 pro 100.000 Männern unter 50 Jahren, in westlichen Ländern bei ca. 4-5 pro 100.000 .

Da die Keime in den meisten Fällen über die Harnwege oder mit der Nahrung (über den Darm) in den Körper gelangen, kann die Erkrankung dementsprechend in einen "postvenerischen Typ" bzw. "postdysenterischen Typ" eingeteilt werden, wobei diese Einteilung mehr über evtl. mögliche prophylaktische Maßnahmen, als über den späteren Verlauf selbst aussagt.

Für den postvenerischen Typ ist Chlamydia trachomatis als hauptverantwortlich zu bezeichnen, für den postdysenterischen Typ kommen unter anderem Salmonella enteritidis, Salmonella typhimurium, Shigella flexneri, Shigella dysenteriae, Yersinia enterocolitica, Campylobacter fetus, Clostridium difficile und Mykoplasmen in Frage.

Da die Symptome der Vorerkrankung Urethritis oder Enteritis oft schwach ausgeprägt und flüchtig sind, kann nur geschätzt werden, dass ca. 3 % aller Chlamydieninfektionen und ca. 37 % der typischen Chlamydien-Urethritiden ein Reiter-Syndrom nach sich ziehen.

Symptome

Die Symptome des Morbus Reiter treten meist ein bis sechs Wochen nach der vom Patienten oft nicht bemerkten Infektion auf. Zu den anfänglichen Hauptsymptomen gehören neben möglichem Fieber und Abgeschlagenheit.

Arthritis, Konjunktivitis/Iritis und Urethritis werden als so genannte Reiter-Trias bezeichnet.

Nach 3-12 Monaten (Wochen bis Jahren) kann es bei bis zu 15 % der Patienten zu Rezidiven kommen. Ebenfalls in 15 % kann die Erkrankung einen chronischen Verlauf nehmen und zur Gelenkszerstörung führen.

Diagnose

  • Anamnese eines vorangegangenen Infekts (oft - s.o. - nicht zielführend)
  • Die Laboruntersuchung des Blutes zeigt unspezifische Veränderungen: Entzündungszeichen; antinukleärer Antikörper und Rheumafaktoren fehlen. Sie dient somit in erster Linie der Verdachtserhärtung durch Ausschluss anderer Ursachen.
  • Der Nachweis von HLA-B27 erhärtet die Verdachtsdiagnose weiter, ist aber im Einzelfall keineswegs beweisend, da auch ca. 8 % der gesunden Bevölkerung dieses Merkmal tragen.
  • Ein Urethralabstrich bzw. Zervixabstrich mit Untersuchung auf Chlamydien und Mykoplasmen soll auch bei diesbezüglich beschwerdefreien Patienten durchgeführt werden. Der entsprechende Nachweis erfolgt mittels Erregerkultur bzw. PCR. Nicht zielführnend ist eine alleinige Chlamydien-Serologie. Dagegen ist eine Titerbestimmung der Salmonellen-, Campylobacter und Yersinien-Antikörper in allen Fällen angezeigt.
  • Röntgen und MRI der betroffenen Gelenke

Bei HLA-B27-positiven Patienten sollen Erkrankungen wie ein Morbus Bechterew, Morbus Crohn oder eine Colitis ulcerosa ausgeschlossen werden, da auch dort dieses Gen vermehrt ausgeprägt ist.

Differentialdiagnose

Neben der bereits erwähnten Psoriasis arthropathica auch andere Erscheinungsformen der Psoriasis wie

Behandlung

Zur schnellen Linderung der entzündlichen Gelenksbeschwerden empfiehlt sich die symptomatische Gabe von NSAR nebst lokalen entzündungshemmenden Maßnahmen (wie Kälteanwendungen). Zu dem ist die Beseitigung der verursachenden Infektion durch eine angemessene antibiotische Therapie wünschenswert, allerdings wurde nur bei der urogenitalen Form (Infektion mit Chlamydia trachomatis) ein Nutzen nachgewiesen. Antibiotika werden somit selten eingesetzt - da meist auch keine Erreger nachweisbar sind. Werden sie allerdings nachgewiesen, ist wie jetzt auch eine Behandlung des Sexualpartners (der Sexualpartner) notwendig.

Bei schwerem Krankheitsverlauf und Beteiligung mehrerer Gelenke, vor allem bei Auftreten einer Iridozyklitis müssen Kortikosteroide eingesetzt werden, um bleibende Veränderungen zu vermeiden.

Nur bei chronischen Verläufen werden Immunsuppresiva wie Methotrexat und Salazopyrin eingesetzt.

Weblinks

Bitte beachten Sie den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

Quellenhinweis: Basis dieses Artikels ist ein Aufsatz aus WIKIPEDIA, der freien Enzyklopaedie. Diesen Artikel sowie Autorenhinweise finden Sie unter folgendem Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Reaktive_Arthritis“

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